Der Weg zur Sprache
Der Weg zur Sprache

Sprachstörungen

Die menschliche Sprache ist ein komplexes System, das man unterschiedlich aufteilen und beschreiben kann. Häufig spricht man von den vier Modalitäten der Sprache: Sprechen, Verstehen, Schreiben und Lesen.

 

In der gesprochenen Sprache unterscheiden wir außerdem verschiedene sprachliche Ebenen, unabhängig davon, ob es um Verstehen oder Sprechen geht.

 

Ebenen der Sprache:

  • Lautsystem (Phonologie)
  • Wortbau (Morphologie)
  • Satzbau (Syntax)
  • Bedeutungsebene (Semantik)
  • Funktion (Pragmatik)

Sprachstörungen bei Kindern

Der Spracherwerb ist ein komplexer Prozess. Normalerweise ist der Primärspracherwerb ungefähr bis zum 6. Lebensjahr abgeschlossen. Mit Eintritt in die Schule beherrscht ein sprachlich normal entwickeltes Kind das grundlegende Regelsystem seiner Muttersprache auf den unterschiedlichen linguistischen Ebenen.

Störungen können auf allen Ebenen auftreten. Abweichungen vom Verlauf der normalen Sprachentwicklung nennt man Spracherwerbsstörung (SES). Abweichungen können zeitlich, quantitativ und qualitativ sein.

Erwerbsebene                                     Störung (Auswahl)
  • Erwerb des Lautsystems (Phonologie)
  • Einschränkung des Phonem-/ Lautinventars; abweichene phonologische Prozesse
  • Erwerb der Bedeutung (Semantik)
  • verringerter Wortschatz; mentales Lexikon ist anders strukturiert; Wortfindungsstörungen
  •  Erwerb des Wortbaus (Morphologie)
  • Probleme mit Wortendungen, Pluralbildung, Wort-Zusammensetzungen
  •  Erwerb des Satzbaus (Syntax)
  •  verringerte Satzkomplexität; fehlerhafte Satzbildung ("Pezi mit Puppe tanzen")
  •  Erwerb der Sprachfunktion (Pragmatik)
  •  eingeschränkte kommunikative Fähigkeiten (z.B. beim Blickkontakt, beim Antwortverhalten)

Risikofaktoren/ Ursachen für Spracherwerbsstörungen (SES)

  • erbliche familiäre SES
  • allgemeine Entwicklungsverzögerung
  • neuro-pädiatrische Ursachen (z.B. Sauerstoffmangel bei der Geburt/ Frühgeburt)
  • Intelligenzminderung, geistige Behinderung
  • Mangel an sprachlicher Anregung und Förderung
  • psychische Reaktion
  • Autismus
  • Gehörlosigkeit, Hörstörungen
  • etc.

Lese-Rechtschreibstörung (LRS)

Ein Kind mit LRS

  • kann Wörter nur schwer in Silben gliedern (Mau-se-fa-le)
  • kann schwer erkennen, ob Vokale lang oder kurz sind (man, mahnen)
  • kann Anfangslaute von Wörtern nur schwer heraushören
  • liest langsam, stockend, monoton
  • liest nur Laut für Laut
  • verwechselt/ vertauscht optisch ähnliche Buchstaben (wie b/d, u/n/ M/W, ei/ie)
  • kann häufig vorkommende Silben (-ung, ver-) und Wörter (wenn, sie) nicht auf einen Blick lesen
  • lernt Texte auswendig statt sie vorzulesen
  • schreibt häufig von rechts nach links
  • schreibt auch nach dem ersten Schuljahr noch phonetisch, z.B. "koap" für "Korb"
  • macht trotz intensiven Übens viele Diktatfehler
  • schreibt oft "Wortsalat", z.B. "vretene" für "verstehen"
  • hat besondere Schwierigkeiten mit Groß-/ Kleinschreibung
  • hat besondere Schwierigkeiten mit Verdopplung und Dehnung
  • etc.

Mehrsprachigkeit

In der modernen Gesellschaft gibt es immer mehr mehrsprachige Menschen. Es ist nur natürlich, dass Kinder die Sprache ihrer Familie lernen und gleichzeitig die Sprache der Gesellschaft, in der die Familie lebt, wenn Familiensprache und Gesellschaftssprache nicht übereinstimmen. In vielen Teilen der Welt wachsen Kinder mehrsprachig heran und in der Regel bewältigen die Kinder diese Aufgabe auch mit Leichtigkeit, die Erwachsene nur verblüffen können.

Mehrsprachige Kinder können auch eine SES zeigen. Dies ist dann der Fall, wenn sowohl in der Muttersprache (Familiensprache) als auch in der Landessprache eine Spracherwerbsproblematik auftritt. Tritt diese aber nur in der Landessprache auf, dann handelt es sich typischerweise um einen unvollständigen Zweitspracherwerb mangels sprachlicher Anregung in der Landessprache. Mehrsprachigkeit an sich führt NICHT zu Spracherwerbsstörungen.

Sprachstörungen bei Erwachsenen

  • Aphasie
  • nicht-aphasische Sprachstörungen
  • Sprachabbau bei Demenz, etc.

Quelle: Logopädie - Was ist das?

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